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Eselfest in Malbun – wie Brauchtum dem Tourismus hilft

Grauer Esel mit kleinem Eselfohlen



Die Geschichte ist so reizend, wie die Ortschaft selbst. Malbun, das einst eine Maiensäßhütten-Siedlung war und mit der Friedenskapelle das höchstgelegene Gotteshaus Liechtensteins beheimatet, lebt nach wie vor und trotz des Klimawandels im Wechsel von Winter und Sommer. Als Wintersport-Gebiet wurde die Region in den 1980er Jahren erschlossen und erlangte dank prominenter Gäste unter anderem aus königlichen Häusern einige Berühmtheit. Im Sommer ist das Hochtal ein beliebtes Reiseziel für Wanderer. Dennoch wusste sich der kleine Ort seine Bräuche und traditionelle Lebensart zu bewahren, und es scheint zuweilen, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Kochkultur und Lebensweise zeugen noch von einer lebendigen und mit Freude und Humor gepflegten Vergangenheit.

 

Eine langjährige Liebe zum Esel

Auf diesen nur bedingt wegsamen Hängen war es nicht einfach, größere Lasten zu transportieren. Den Apfel- und Weinmost, der auf höhere Stellen der Alm gebracht werden musste, beförderten Esel, die alle in diesem Gelände wichtigen Eigenschaften vereinten: Trittsicherheit und Belastbarkeit. Sie waren für viele Arbeiten unentbehrlich, und so entstand eine tiefe Verbundenheit zwischen diesem besonderen Tier und den Bewohnern von Malbun, die sich dessen bewusst waren, was sie ihm schuldeten.

 

Ein ganz besonderes Wesen

Dass der Esel seinen eigenen Kopf hat und nicht immer das tut, was von ihm wird, wurde hier nie als Ärgernis oder Charakterschwäche betrachtet. Vielmehr verstärkte dieser Eigensinn die Liebe zu diesem intelligenten Vierbeiner, der das Prinzip „Slow life“ gar nicht erst lernen muss. Tatsächlich ist ihm das Wort „Eile“ fremd, er bevorzugt seinen eigenen Rhythmus, weiß Gefahren zu erkennen, lange bevor sie dem Menschen auffallen, gilt als bedacht und vorsichtig, und ist unendlich treu – der perfekte Begleiter und Arbeitspartner also.

 

Aus Einsicht wird Spaß

Bis zu einem gewissen Grad hat der tägliche Umgang mit dem Esel die Lebensart in Malbun sicher ein wenig mitgeprägt – bis in die Gegenwart. Trotz der wirtschaftlich notwendigen Öffnung zum Tourismus geht es in dem kleinen Ort und seiner Umgebung unkompliziert, gelassen und bodenständig zu, und dass die Natur das Tempo vorgibt, ist deutlich zu spüren. Es verwundert daher wenig, wenn die einheimische Bevölkerung sich an dem Eigensinn des Esels erfreute und den saisonalen Transport des Mosts nutzte, um einen kleinen Wettbewerb unter den beteiligten Landwirten zu veranstalten. Wer seinen Esel am schnellsten zu überzeugen wusste, die Alm hochzuklettern, hatte gewonnen.

 

Die Arbeit geht, der Spaß bleibt, Europa kommt hinzu

Nachdem motorisierte Fahrzeuge die Arbeiten übernahmen, die in früheren Zeiten dem Tier zugedacht waren, wurde das kleine Wettrennen aber beibehalten und wurde zum Brauch, und dieser wiederum sprach sich herum. Nicht nur aus benachbarten Orten kamen nach und nach immer mehr Teilnehmer mit ihren eigenen Tieren hinzu, sondern bald sogar aus ganz Europa. Ein Verein wurde gegründet, der nun seit 1996 alljährlich im August das Eselfest veranstaltet. Anstatt Lasten zu tragen, müssen die Esel nun – an der Leine oder durch gutes Zureden geführt und artgerecht oder sozusagen standesgemäß durch die Aussicht auf Möhren, Äpfel und Zucker motiviert – einen Hindernisparcours bewältigen oder auf Zuruf ihres Besitzers ein bestimmtes Ziel erreichen.

Seit einiger Zeit gehört auch ein Eselritt zum Programm.

 

Das Eselfest von Malbun ist als Touristenattraktion ein erfreuliches Beispiel für die gelungene Verbindung einer alten Lebensart mit neuer wirtschaftlicher Relevanz und Internationalität. Jahr für Jahr zeigt das Fest aufs Neue, wie wenig es manchmal braucht, um Völkerverständigung auf ganz natürliche Weise entstehen zu lassen: Ein malerischer Berghang und ein paar eigensinnige und lustige Vierbeiner genügen.



Grauer Esel mit oranger Schleife um den Hals
Der unwiderstehliche Charme des Eigensinns.

Das diesjährige Eselfest in Malbun findet am 8. August 2026 statt.



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