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Porträt: Jōji Hattori und das Restaurant „Shiki“


Joji Hattori in seinem Restaurant Shiki

Lebensart, Musik, Genuss, Internationalität, Kulturen … Dies sind die Pfeiler einer bemerkenswerten Biographie und der faszinierenden Arbeit eines ungewöhnlichen Mannes: Jōji Hattori, Austro-Japaner, Dirigent, Konzertgeiger und Kammermusiker, Gastronom.



Einfach und komplex: eine von Vielfalt und Internationalität geprägte Jugend

Jōji Hattori wurde in Japan geboren und wuchs in Österreich auf. Doch mit diesem Satz endet auch schon das Einfache in Jōji Hattoris Leben, das die Geschichte eines Ausnahmetalents und unkonventionellen Geistes erzählt und zur Entstehung eines Gesamtkunst- und Lebenswerkes führen sollte, in dem Musik und Kochkunst fortan untrennbar verbunden sind. Zur Musik kam er durch seine Mutter, seine Liebe zu erlesenem Essen entdeckte er dank seines Vaters, und vielleicht spielte auch der Urgroßvater eine Rolle – richtete sein Urgroßvater doch als Oberküchenmeister seinerzeit das Krönungsdinner für Kaiser Hirohito aus. Jōji Hattori wurde professioneller Geiger, gefeierter Dirigent. Er gibt uns in Interviews Einblick, wie wenig selbstverständlich es war, als Japaner in Wien im Bogen zwischen Herkunft und westlicher Musik Akzeptanz zu finden. Auch seine Interessensgebiete gleichen einem Mosaik. So studierte er – fast nebenher möchte man sagen – Sozialanthropologie und forschte zum Thema „nationale Identität“. Vielseitigkeit, unstillbare Neugier, Wissensdurst und ein eindrucksvolles Gespür für das Schöne und das Kostbare sind heute noch die Eigenschaften, die er mit jedem seiner Worte ausstrahlt.



Wie Jōji Hattori dem kleinen Wort „zwischen“ eine ungeahnte Magie verleiht

„Zwischen“ erweckt im Deutschen keine unbedingt positiven Assoziationen. Es signalisiert unter anderem die Notwendigkeit, sich entscheiden zu müssen, und die schwierige Wahl und den vielleicht schmerzhaften Verlust, die damit einhergehen könnten. Zuweilen kann es auch auf eine unbequeme und wenig erstrebenswerte, ja ausweglose Situation hinweisen, wenn wir etwa „zwischen den Stühlen“ sitzen. Jōji Hattori aber macht aus einer einfachen Präposition mit schwankendem Image ein nicht nur wirtschaftlich erfolgreiches, sondern auch menschlich überzeugendes, ja bestechendes, Gesamtkonzept, in dem überwältigende Lebensfreude, Selbstverständlichkeit und aufrichtige Erfüllung in jedem Augenblick spürbar sind. Trotz seines Erfolges als Musiker fehlt ihm etwas und er möchte seinem Leben eine weitere Facette hinzufügen. Wonach er strebt, wonach er sich sehnt, ist vor allem, sich, seine japanischen Wurzeln, Werte und Mentalität, seine österreichische Erziehung, seine Identität und sein künstlerisches Talent auf vollständigere Weise auszudrücken. Er ist auf der Suche nach einer „Sprache“, die ihm diesen Weg eröffnet. Und er entdeckt sie in der Gastronomie. Sein Leben zwischen den Welten und den verschiedenen Spielarten künstlerischen Schaffens und unterschiedlichster Ausdrucksformen findet 2015 in der Eröffnung seines Restaurants „Shiki“ schließlich die perfekte Übersetzung.




Restaurant Shiki Japanisch Essen

© Irina-Thalhammer


Das „Shiki“: Allen Welten eine Sprache geben

Das „Shiki“ bleibt der Linie treu, die den Menschen Jōji Hattori ausmacht: Es vereint das elegante Ambiente eines österreichischen Restaurants mit angepassten, jedoch authentischen japanischen Speisekarten, Modernität mit traditionellen Werten. Dem Bedürfnis des europäischen Gastes nach einer individuellen Wahl trägt es ebenso Rechnung wie den ästhetischen Anforderungen, die in Japan aus jedem Gericht ein unvergessliches, puristisch-raffiniertes Kunstwerk machen. Die Zusammensetzung des Personals ist das Ergebnis tiefgründiger Erwägungen und Überlegungen. Jōji Hottari umgibt sich mit den Menschen, die künstlerisch, fachlich und gedanklich in der Lage sind, seine Vision feinfühlig umzusetzen. Service und Küche führen stimmig jenen Dialog zwischen Japan und Europa fort, der dem Konzept zugrundeliegt. Der Gast kann sich übrigens für Stäbchen oder westliches Besteck entscheiden. Auch hier wird allen Welten eine Sprache gegeben.




viereckiger Teller mit japanischer Köstlichkeit

© Irina-Thalhammer


Jōji Hattoris Anschauung und sein Werk sind nicht nur im Bereich der Musik und der Kulinarik relevant. Er tanzt virtuos auf jener Brücke zwischen Kulturen, Sprachen, Mentalitäten und Genusswelten. Die Fragestellungen, die er lebt und sein Ikigai sind, spiegeln die Schnittpunkte dessen wider, was perfekte Kulturvermittlung ist. Die Antworten, die er darauf gibt, zeigen, dass Internationalität nur dann Sinn ergibt, wenn sie nicht Einebnung bedeutet, sondern im Gegenteil ein detailreiches Kennenlernen und ein tiefes Verständnis des Anderen anbietet. Jōji Hattoris Ansatz schleift nicht globalisierend das Fremde und Unbekannte, Ungewohnte ab, um sich auf leicht erfassbare, platte gemeinsame Grundeigenschaften zu beschränken. Er erweitert unseren Gedanken- und Geschmackshorizont, führt uns jenseits des Vertrauten und der Universalität – ob der Musik, des Kochens, des Sprechakts – zu einer anderen, bereicherten „Lebens-Art“. Er zeigt uns, dass Verständigung und Vermittlung bedeuten, bestehende Unterschiede zu achten, sie so behutsam zu übertragen und zu verdeutlichen, dass sie respektvoll wahrgenommen und nicht nur akzeptiert, sondern viel mehr gerade bewusst genossen werden. Dieser zentrale Aspekt der einzigartigen Laufbahn des Jōji Hattori trifft also den Kern dessen, was hochwertige und sinnstiftende Übersetzungsarbeit und Kulturkommunikation sind.


© Lukas_Ilgner_medRes

Ein besonderer Dank gilt Herrn Hattori und seiner Pressestelle, die der Veröffentlichung dieses Artikels zugestimmt haben. Es ist uns eine große Freude und eine Ehre.

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