Weihnachtsbräuche und Globalisierung

Wie kulturelle Exportschlager unseren weihnachtlichen Lifestyle prägen.






Weihnachten ist unbestritten ein internationales Fest. Ganz gleich, ob eher religiöse Aspekte und biblische Geschichte, Geschenke, Genuss und Lebensfreude, Kinderglück und Familie, Einkehr und Besinnlichkeit im Mittelpunkt stehen: Menschen in aller Welt feiern Weihnachten und es gibt niemanden, der nicht Weihnachten zumindest vom Namen her kennt. Was unbedingt zu Weihnachten gehört, ist vor allem kulturell bedingt, und deshalb spielen traditionelle, mitunter uralte Bräuche eine große Rolle.



Die Globalisierung macht die Grenzen aber fließender: Christstollen und Lebkuchen findet man bei jedem Discounter im Ausland und bei weitem nicht nur in den Großstädten. Weihnachtsmärkte, die vor 30 Jahren noch außerhalb des deutschsprachigen Raums und der unmittelbar angrenzenden Regionen kaum bekannt waren, haben nun alle europäischen Länder bis in die tiefste Provinz erreicht, und dies gilt auch für Adventskränze und Adventskalender. Bunt leuchtende Weihnachtsdekorationen im amerikanischen Stil sind nicht nur zunehmend in Europa, sondern insbesondere im Neonlicht-verrückten Tokyo ein Hit, obwohl Japan ja keine Weihnachtstradition hat. Englische Weihnachtslieder werden überall auf der Welt gesungen und umgekehrt erfreuen sich deutsche Weihnachtslieder in den Vereinigten Staaten einer ungebrochenen Beliebtheit. Santa Claus wurde erfolgreich zum Weihnachtsmann und hat in vielen deutschen Familien die Stelle des Christkinds eingenommen, seine Rentiere ziehen fast überall auf der Welt einen Schlitten voller Geschenke, und ein Kuss unter dem Mistelzweig ist ebenfalls zu einem internationalen Brauch geworden.


Manchmal jedoch scheitern diese Exportschlager gerade an ihrem Erfolg und werden vor lauter Begeisterung um ihre ursprüngliche Bestimmung gebracht. Das traditionelle italienische Panettone und der spanische Turrón sind in vielen Ländern ganzjährig zu kaufen und werden oft kaum als Weihnachtsspezialität empfunden, sondern vielmehr als allgemeine Leckerei. Und es geht auch anders herum: Während Raclette und Fondue in Frankreich zu allen Jahreszeiten als Möglichkeit für ein abendliches gesellig-schmackhaftes Zusammensein betrachtet werden, haben sie sich bei uns immer mehr als Weihnachts- und Neujahrsbrauch fest eingefügt. Lichterketten schmücken in Asien zur Weihnachtszeit weniger Heim und Garten, sondern werden Akku-gespeist eher von weiblichen Teenagern als Modeaccessoires getragen. Von der ursprünglichen Weihnachtskarte, die Sir Henry Cole 1843 in Auftrag gab, sind die Season Greetings Nordamerikas weit entfernt, die vor allem dazu dienen, Verwandte und Freunde mit einem frisch geschossenen Foto der zu diesem Anlass versammelten und kostümierten Familie auf den letzten Stand dessen zu bringen, was sich im Jahr ereignet hat.



Nicht immer also werden Bräuche, Traditionen und Spezialitäten so umgesetzt wie im ursprünglichen Land, sondern sie werden spontan der jeweiligen Kultur angepasst – sie werden sozusagen "übersetzt" und zeigen gerade, wie bereichernd Übersetzung sein kann.

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